Das Hydrauliksystem der Bentley T-Serie: Sicherheit, Komfort und Ingenieurskunst auf höchstem Niveau
Die Bentley T-Serie, bestehend aus dem Bentley T1 und dem Bentley T2, war nicht nur eine stilistische Abgrenzung zur Rolls-Royce Silver Shadow-Reihe, sondern auch ein technisches Meisterwerk. Besonders hervorzuheben ist das einzigartige hydraulische System, das in puncto Sicherheit, Fahrkomfort und Redundanz Maßstäbe setzte.
Übersicht: Ein komplexes, aber geniales System
Das Hydrauliksystem der Bentley T-Serie besteht aus zwei Hauptkomponenten:
- dem Triplex-Bremssystem
- dem automatischen Höhenkontrollsystem
Beide Systeme arbeiten mit derselben Hydraulikflüssigkeit Castrol RR363, einer speziell entwickelten, hygroskopischen Flüssigkeit mit gleichzeitig hydraulischen und schmierenden Eigenschaften. Eine zentrale Besonderheit: Die Systeme sind funktional unabhängig, nutzen jedoch gemeinsame Energiequellen (Hydraulikpumpen, Akkumulatoren, Reservoir).
Die Hydraulikflüssigkeit RR363: Lebensader des Systems
Für den Betrieb wird ausschließlich Castrol RR363 verwendet – keine DOT3-, DOT4- oder mineralischen Öle. Diese Flüssigkeit:
- schmiert bewegliche Teile (Pumpen, Ventile)
- ist stark hygroskopisch – Feuchtigkeitseintritt verringert den Siedepunkt drastisch
- darf niemals mit mineralischem Hydrauliköl oder Fremdflüssigkeiten gemischt werden
Wichtig: Fahrzeuge der Bentley T-Serie bis zur Fahrgestellnummer 50000 benötigen RR363. Spätere Fahrzeuge und Silver Shadow II nutzen Mineralöl – diese sind durch grüne Hydraulikmarkierungen erkennbar.
Druckaufbau durch Pumpen und Akkumulatoren
Zwei motorgetriebene Hochdruckpumpen versorgen das System mit Druck. Der erzeugte Hydraulikdruck wird in Akkumulatoren gespeichert:
- jeder Akkumulator enthält eine Stickstoff-Vorkammer und eine Bremsflüssigkeitskammer
- bei Motorausfall sichert der gespeicherte Druck bis zu 50 Bremsbetätigungen
- ein integriertes Sicherheitsventil schützt vor Überdruck (max. ~175 bar)
- Warnleuchten im Cockpit zeigen Druckabfall sofort an
Das Triplex-Bremssystem: Drei Systeme für maximale Sicherheit
Die Bremsanlage besteht aus:
System 1 und 2 – zwei Hochdruckkreise
- Versorgen getrennte Bremssättel und Ventilgruppen
- Unabhängig voneinander, aber gleichzeitig aktiv
- Jeweils mit eigener Pumpe, Akkumulator und Verteilerlogik
Hauptzylindersystem (nur T1)
- Dient als redundante Reserve
- Betätigt 4 von insgesamt 16 Kolben
- Wurde beim T2 durch ein Gummielement ersetzt, das Pedalgefühl simuliert
Wichtige Komponenten:
- Bremsverteilerventile: steuern Flussrichtung und -menge je nach Pedalstellung
- Bremssättel: Doppelsättel vorne, Vierzylindersättel hinten
- Handbremse: mechanisch, selbstjustierend, mit Warnanzeige
Automatische Niveauregulierung
Das Höhenkontrollsystem hält das Fahrzeugniveau konstant – unabhängig von Beladung:
- Ursprünglich an Vorder- und Hinterachse (T1), später nur an der Hinterachse (ab Chassis 7404)
- Zwei Höhensteuerventile regeln den Ölfluss zu den Hydraulikzylindern (Rams)
- Schnell- und Langsam-Modus über Magnetventil: Fahrzeug stillstehend = sofortige Korrektur
- Korrektur erfolgt automatisch, basierend auf Fahrzeugneigung
- Rollbegrenzungsventil wurde in frühen Modellen eingesetzt, später weggelassen
Das Reservoir und die Verrohrung
Das Hydraulikreservoir hat zwei Kammern mit separaten Sichtfenstern. Es speist:
- vordere Kammer → System 1
- hintere Kammer → System 2 + Höhenkontrolle
Die gesamte Rohrleitungsarchitektur nutzt Bundy-Rohre mit farbcodierten Hülsen für Identifikation:
- rot = Hochdruck, gelb = Rücklauf, grün = Hauptzylinder, blau = Sonderfunktion
- Vibrationssichere Befestigung verhindert Materialermüdung
Technische Änderungen über die Jahre
(in Arbeit)
- Ab Chassisnummer 22073: Wegfall des Hauptzylinders, vollständige Integration in den Hochdruckkreis
- Ab 1979 (Chassis ab 50001): Umstellung auf Mineralöl statt RR363
- Einführung von Sensorik für Füllstand und Systemdruck zur Fahrerwarnung
Hydraulik als Rückgrat der Bentley T-Serie
Das hydraulische System der Bentley T-Serie ist ein Paradebeispiel für britische Ingenieurskunst. Die Kombination aus Redundanz, automatischer Niveaukontrolle und der einzigartigen RR363 Hydraulikflüssigkeit machen den Bentley T1 und T2 zu technischen Meilensteinen im Luxusautomobilbau.
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