Er war der erste Bentley mit selbsttragender Karosserie – ein mutiger Schritt weg von traditionellem Karosserieaufbau auf separatem Rahmen.
Technischer Fortschritt im Gentleman-Gewand
Der Bentley T1 profitierte massiv von der modernen Monocoque-Bauweise, welche gegenüber den früheren Modellen nicht nur Gewichtsvorteile, sondern auch ein verbessertes Fahrverhalten mit sich brachte. Damit näherte sich Bentley erstmals bewusst dem Fahrgefühl eines sportlichen Wagens – jedoch stets mit dem Understatement eines britischen Gentleman’s Club.
Unter der Haube arbeitete ein bewährter V8-Motor mit 6,23 Litern Hubraum, der ab 1970 serienmäßig auf 6,75 Liter vergrößert wurde. Abhängig vom Exportmarkt konnte der Motor mit unterschiedlichem Verdichtungsverhältnis geliefert werden – ein Tribut an die globale Vielfalt der Kraftstoffqualität. Die Kraftübertragung erfolgte über ein sanft schaltendes automatisches 4-Gang-Getriebe, wobei in den USA und Kanada ab 1968 eine 3-Gang-Automatik zur Standardausstattung wurde.
Technische Daten im Überblick:
- Motor: V8, 90°, Aluminiumblock mit nassen Gusseisenlaufbuchsen
- Hubraum: 6.230 cm³ (später 6.750 cm³)
- Bohrung x Hub: 104,1 x 91,4 mm (später 104,1 x 99,1 mm)
- Vergaser: SU Doppelfallstrom
- Getriebe: 4-Gang-Automatik (USA: 3-Gang)
- Fahrwerk: Einzelradaufhängung, hydropneumatisches Niveausystem (ab 1969 vorne entfällt)
- Bremsen: Scheibenbremsen rundum
- Radstand: 3.035 mm (später 3.048 mm / optional 3.149 mm LWB)
- Reifenformate: 8.45×15 (später 205VR15, ab 1974 235/70HR15)
Exklusivität in Zahlen
Der Bentley T1 war von Anfang an als exklusive Alternative zum Silver Shadow positioniert. Während Rolls-Royce hohe Produktionszahlen anstrebte, blieb Bentley seinem Manufaktur-Charakter treu:
| Modellvariante | Produktionszahlen |
| Bentley T1 Saloon (1965–1977) | 1.703 Stück |
| Bentley T1 LWB (1971–1976) | 9 Stück |
| James Young 2-Türer (1966–1971) | 15 Stück |
| Pininfarina Coupé (1968) | 1 Stück |
| Bentley T1 MPW (1967–1971) | 41 Stück |
| Gesamtproduktion Bentley T1 | 1.852 Stück |
Besonders rar und heute heiß begehrt sind die Sonderkarosserien, z. B. vom britischen Karosseriebauer James Young oder die einzigartige Pininfarina-Version, ein Einzelstück für einen besonderen Kunden.
Design: Ein Understatement der besonderen Art
Während Rolls-Royce-Kunden Wert auf Status legten, schätzten Bentley-Fahrer die subtile Eleganz. Das Design der Bentley T1 Limousine war nahezu identisch mit dem Silver Shadow, jedoch mit minimalistisch gehaltenem Kühlergrill und dezentem Bentley-„Flying B“. Ab 1966 erschienen elegante Zweitürer von H.J. Mulliner, Park Ward, gefolgt von traumhaft schönen Cabriolets im Jahr 1967.
Diese Sonderformen verleihen dem Bentley T1 bis heute den Ruf, eines der schönsten britischen Fahrzeuge seiner Zeit zu sein – ganz gleich, ob als diskrete Limousine oder stilvoller Open-Top-Cruiser.
Bentley T1 heute: Ein Klassiker mit Wertsteigerungspotenzial
Angesichts der niedrigen Produktionszahlen, der hochwertigen Verarbeitung und der wachsenden Begeisterung für die 1960er- und 70er-Jahre ist der Bentley T1 ein gesuchter Klassiker. Besonders Modelle mit Sonderkarosserien, seltener Ausstattung oder dokumentierter Historie erzielen heute Höchstpreise auf Auktionen.
Für Liebhaber klassischer britischer Automobilkunst ist der Bentley T1 ein technisch anspruchsvoller, aber lohnender Einstieg in die Welt von Rolls-Royce & Bentley – allerdings mit dem Charme des Understatements.